Tritt mich! Oder: Towanda und Bodenbeläge
[Für einen Moment war ich tatsächlich unsicher, ob es heißt “Tritt mich!” oder “Trete mich!”, und ich gebe ungern zu, daß ich den Imperativ von “treten” nachschlagen mußte… Aber das ist wieder so ein Fall, wo man ganz wuschig im Kopf wird, wenn man länger drüber nachdenkt und ins Grübeln kommt, was für ein seltsames Wort “treten” eigentlich ist. ]
Der Plan war eigentlich ganz klar: bMwg und Towanda bekommen ein neues Wohnzimmer, eine neue Küche, ein neues Bad, und im Zuge der Zusammenlegung von Altbau und Neubau muß auch der Flur saniert werden. Entschieden hatten wir uns bisher für:
- Bad: Fliesen (eh klar)
- Wohnzimmer: Teppich
- Küche: Linoleum
- Flur: whatever (Fliesen? Dielen? Linoleum? Keinesfalls wieder Teppich! Hat aber auch noch Zeit… )
Meine Wahl war für Küche auf Linoleum gefallen, weil es
<ul><li>ein farbig vielseitiger Belag ist und daher sicher etwas zu meiner unkonventionellen Küchenplanung paßt (gelbe und weiße Fronten im Bestand, großer Eiche-Vollholztisch und -stühle in Planung)</li>
Zwei Varianten spielen in der Linoleum-Liga: Die Rollenware, wenige Millimeter stark und vollflächig zu verkleben und die Klickware als Platten, wie man es von Laminat oder Parkett her kennt.
Als ich hörte, daß die Stöße bei der Rollenware mit einer Schweißnaht verklebt werden müssen, was nur mit massig Fachwissen und dem entsprechenden Material geht (also mit Fremdfirma-Einsatz und damit teuer), war Rollenlinoleum für mich vom Tisch.
Bei der Klickware hatte habe ich aber die Befürchtung, daß sie sich “laut läuft”: Kennst du das Geräusch von Absätzen auf schwimmend verlegten Laminat/ Parkett? Und Absätze auf fest verklebtem, “echten” Parkett?
Hörst du im Geist den Unterschied? Dann weißt du, was ich meine.
Dieses Schritteklackern auf schwimmend verlegtem Boden geht mir durch und durch, und auf keinen Fall will ich sowas. Zwar hat das Klick-Linoleum eine Korkschicht an der Unterseite, und sicher kann man auch noch Dämmatten unterlegen, aber ich war mir nicht sicher, ob das zum gewünschten Ergebnis führen würde.
Da am Mittwoch die Estrichleger kommen werden, trug man mir auf, Höhen meines finalen Bodenbelages durchzugeben, damit der Estrich entsprechend hoch bzw. niedrig gelegt würde. Höhe Teppich ist klar, Fliesen auch (Bad kommt in die jetzige Küche und steht damit sowieso noch nicht zur Debatte), aber wie hoch ist so ein Klick-Linoleum?
Mit dieser Aufgabenstellung zog ich am Donnerstag nach der Arbeit zum örtlichen Raumausstatter los.
Ich weiß nicht, ob man einfach zu unaufmerksam war, um mich zu bemerken. Vielleicht sah man mir auch schon von Weitem an, daß ich unentschlossen war, was meine ursprüngliche Entscheidung anbelangte. Jedenfalls erbarmte sich keinerlei Personal, und ich war über eine halbe Stunde ganz allein Verlegebeispielen, Farbmustern und Datenblättern ausgesetzt.
Das konnte nicht gut gehen.
Und während ich einer Beratung harrte und mir die Zeit musterblätternd vertrieb, stieß ich auf Korkboden und andere Varianten, die der brav sparenden Towanda zuerst das ganze bis dato feststehende Raumgestaltungskonzept umkrempelten und ihr schier die Schamesröte ins Gesicht trieben angesichts des neuen luxuriösen Flohs im Ohr.
Nach einer schlaflosen Nacht und dem Besuch von zwei weiteren sehr hilfreichen Bodengestaltern sind wir einen großen Schritt weiter und planen für die Ewigkeit.
Wichtige Info Nummer 1, die ich erworben habe: Linoleum als Klickware klackert zwar weniger als Laminat, aber klackert wahrscheinlich zu viel für meinen Klacker-Toleranzbereich. Aber ich kann Rollenware auch ohne die aufwendige Stoßverschweißung selbst verlegen.
Daher ist die Entscheidung für die Küche zugunsten von Linoleum-Rollenware gefallen (zumindest für das Material — die vielen Farbvarianten geben mir sicher noch Rätsel auf. Aber ich weiß die Einbauhöhe, also Ziel erreicht!).
Doch das Beste ist: Der Teppich fürs Wohnzimmer ist vom Tisch. Und der Belag für den Flur ist auch beinahe beschlossen. Zum Glück konnte ich bMwg auch noch überzeugen. Denn Towanda hat sich verliebt.
In Vollholzdielen. Eiche. Geölt. rrrrrr
Muttern und Großmuttern werden sich kaputtlachen, daß die ach so moderne Tochter/ Enkelin ihren Speichelfluß kaum bezähmen kann bei der traditionellen doitschen Eiche. Aber solange sie nicht in Rüster gebeizt (aka Gelsenkirchener Barock) daherkommt, ist Eiche einfach klasse. Hart genug für Bodenbeläge, zurückhaltend genug, um für Einrichtung aller Art gestaltbar zu bleiben und… sexy.
Großmuttern hat seit Äonen ein Eiche-Stäbchenparkett, um das ich sie schon immer beneidet habe (Remember: Seit ich Raumgestaltung bewußt wahrnehme, kamen die wilden bunten Achziger, über Cocooning und neue Sachlichkeit per Dotcom-Edikt kam dieser Buche-Edelstahl-Trend bis hin zu schweren, dunklen Möbeln, die man heute noch manchmal sieht — und in all dieser Zeit fand ich Großmutterns Stäbcheneicheparkett wunderschön).
Ich hoffe nur, den uns nachfolgenden Generationen geht es mit unseren Eichedielen genauso wie mir mit Großmutterns Parkett. Fest verklebt und mit fast zwei Zentimetern reiner Nutzstärke bettelt es nicht wirklich drum, nach wenigen Jahrzehnten per Brechstange in die Bauschuttmulde zu wandern…
Vielen Dank an das Parkett-Land und den Bauladen Bielefeld. Ihr habt meine Träume bezahlbar und damit eine kleine Towanda sehr glücklich gemacht.
(Natürlich dürfen bauwillige Leser gerne auf die Links klicken. Los, geht hin, laßt euch gut beraten und investiert dort euer Geld in schöne Dinge — lohnt!)
Wer gerade nichts zu bauen hat, für den habe ich auch einen Link: Die Maus und der Elefant erklären nämlich, wie Linoleum gemacht wird.