Tapeten und Promille
Die nächste Woche müßte eine erfolgreiche Woche werden. Wie soll es auch anders sein, wenn eine Woche mit drei Tagen Urlaub beginnt?
Die Zeichen stehen ganz Richtung Wohnzimmer: Die Tapeten haben wir heute abgeholt (drei Wände orangerot, eine Wand in rostrot, Decke in abgetöntem Weiß) und harren des Malers, welcher sich der Decke annehmen wird. Außerdem wird er uns für die Wände einen Crashkurs “Die Fliestapete und ich” verpassen, auf daß wir selbst loslegen können.
Am Montag kommt dann der Mann, der die Estrichfeuchte mißt. War so eigentlich gar nicht geplant, denn ich ging blauäugig davon aus, drei Monate nach dem Estrichgießen das Parkett verkleben zu können. Letzte Woche wurde allerdings die Estrichfeuchte bei der Schwägerin gemessen, die ihr Parkett vom Lieferanten verlegen läßt: Ergebnis 2,8% Feuchte, 2,2% sollten es sein.
Drei Wochen müßte man mindestens noch warten, so das Urteil des Fachmanns.
Nun hat die Schwägerin im zweiten Stock Wärme von unten, unser nicht unterkellertes Wohnzimmer nicht. Die Heizung war bei uns einige Wochen abmontiert: auch schlecht, um Feuchtigkeit loszuwerden. Folglich müßte bei uns die Estrichfeuchte noch höher liegen als bei Anke.
Gut, natürlich will sich ein professioneller Verleger, der in Gewährleistung für seine Arbeit steht, auf der ganz sicheren Seite wissen und geht daher mit der Feuchte lieber noch etwas tiefer, bevor er verlegt. Trotzdem wird mir leicht übel bei dem Gedanken, Eichenholz für 2.000 Euronen zu verderben, weil ich es nicht abwarten konnte und wegen weniger Wochen gedrängelt habe.
Alles hängt also von der Messung am Montag morgen ab. Bis dahin läuft die inzwischen wieder montierte Heizung im späteren Wohnzimmer auf Volllast. Und mindestens zweimal am Tag wird für eine Stunde gelüftet. So hat es mir der Kollege geraten, und wir hoffen, so noch die entscheidenden Promille schinden zu können.