Towandas Turbulenzen

Bau, Macs und der ganze Rest


Reisebericht Teil 2 — Das Meer ist ewig, doch die Landschaft geht

Kategorie: der ganze rest — towanda am Dienstag, 5. Juni 2007

Der nächste Tag war der letzte, an dem wir uns durch Dünen und Feriendorf zum Brötchenholen begaben. Denn unser Ferienhaus war gut mit Broschüren ausgestattet, und wir wußten inzwischen, daß der Weg am Strand entlang der kürzeste ist.

Auch, wenn er es nicht gewesen wäre, wäre ich ihn gegangen: Am Meer entlang zum Brötchenholen ist schließlich kaum zu toppen. Dazu gleich morgens noch etwas Indiana-Jones-Feeling durch die Treppe…

Außerdem sieht man mit einem freilaufenden, eifrig dummyapportierenden Hund am Meer deutlich besser besser aus als mit einem Kaninchen witternden, leineziehenden schwarzen Mistvieh in den Dünen. Selbst, wenn man den Punktabzug in der B-Wertung durch einmal Verschnaufenmüssen beim Treppenaufstieg mit einberechnet.

Einberechnen würde — denn es war sowieso meist keiner da, um die Wertung vorzunehmen: Nebensaison, Schmuddelwetter, frühe Uhrzeit. Das bedeutet freien Strand für Rondra und mich.

Aber eigentlich wollte ich nicht über menschenleere Strände schreiben, sondern über Steilküsten und eine Landschaft im Wandel. Wie uns die Broschüren in unserem Ferienhaus mitgeteilt haben, ist dort nämlich nicht immer nur alles wildromantisch und urig.

Jedes Jahr verlieren die Menschen hier Land an das Meer, an den Sand und an den Wind. Manche Quellen nennen anderthalb Meter, andere vier bis fünf Meter.

Pro Jahr.

Im schlimmsten Fall könnte das bedeuten, daß unser schuckeliges kleines Ferienhaus samt Sauna, Whirlpool und Sonnenterrasse in zehn Jahren weg ist.

Daß dies keine Horrorvision ist, die sich militante Klimaschützer ausdenken, um Panik zu schüren, konnte ich jeden Morgen live erleben:

Ein Haus, von der Steilkueste verschlungen

Ein Haus ist sichtbarer Teil der Steilküste geworden. Mitten im Abhang sieht man plötzlich Dachpappe, Latten und Ziegel. So deutlich haben wir es an keiner anderen Stelle gesehen. Doch wenn man aufmerksam ist, sieht man überall an der Küste ab und an Leitungen aus dem Sand ragen.

Weiter oben sehen wir in direkter Nähe zum Hang Häuser, die — ganz im Gegensatz zum sonstigen Bild der Siedlung — nicht mehr so gut in Schuß sind. Sie sind offensichtlich nicht mehr genutzt und wurden aufgegeben. Vermutlich ist es lebensgefährlich, sich darin aufzuhalten.

Ernsthaft “Vollzeit” wohnt in dieser Gegend zwar niemand mehr: Hier gibt es nur Sommerhäuser, den größten Teil des Jahres an Touristen vermietet. Trotzdem gehören die Sachen jemanden, und dieser Jemand hat sich sicher irgendwann große Mühe gegeben, seinen Besitz schön zu gestalten.

Wie mag es einem gehen, wenn das alles den Hang hinabrutscht?

Wo das eine verloren geht, taucht anderes wieder auf, das vielleicht besser verborgen geblieben wäre: An mehreren Stellen an Strand zeigten sich Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die sich zu ihrer Entstehungszeit viel weiter im Landesinneren befunden haben:

Ein Bunker am Strand

Noch ein Bunker am Strand

Ich gebe zu: Mich alten ironiedurchtriebenen Trampel hat es in den Fingern gejuckt. Aber weil es die Gefühle der Eingeborenen verletzt hätte (und mein Hund sicher komplett verwirrt gewesen wäre), ich habe es unterlassen, darin Moers’ Bonker nachzuspielen.

Dieses fiese “Adolf, du alte Nazisau” hallte mir aber noch eine ganze Weile nach…

Doch ich wollte weder über Ohrwürmer noch über geschmacklose Weltkriegssatiren schreiben. Sondern über eine Landschaft im Wandel.

Und da ich nun eine Überleitung zu Rubjergs Knude im Leben nicht mehr sauber hinbekomme, erfahrt ihr darüber etwas im nächsten Teil des Reiseberichts.

1 Kommentar »

Pingback von Towandas Turbulenzen » Reisebericht Teil 1 — Vor Ort:

[…] Doch dazu mehr im nächsten Teil des Reiseberichts. […]

6.06.2007 um 00:13 |

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