Umweltengelchen bis zum Sonntagmorgen
Seit vorgestern gibt es hier in Herford einen Superbiomarkt einer relativ großen Kette. Heute kam ich dazu, mir den mal anzusehen. Sehr groß, sehr nett, trotz der Innenstadtnähe recht gutes Parkplatzangebot und heftigst frequentiert.
Trotzdem werde ich wohl die meisten Besorgungen weiterhin im kleinen Hofladen erledigen, der gleich bei uns um die Ecke mitten zwischen Äckern und außerdem auf der Gassiroute liegt. Da wird die Unterstützung der heimischen Wirtschaft fast schon zur Nachbarschaftshilfe.
Ich staune ja momentan, wie livestilig Bio mittlerweile geworden ist. Früher waberte mit den hennagefärbten Alt-68ern und der birkenstocktragenden, gebatikten Altstudentenfraktion ein Hauch von Patchouli und Matetee durch die Gänge. Wenn in Ermangelung von Publikumsverkehr überhaupt etwas waberte.
Heute morgen sah ich auf dem vollen Parkplatz des kleinen Hofladens allerlei niedliche, teuere Sportwagen neben dickeren, aber nicht weniger hochpreisigen Wagen der höheren Mittelklasse und die unvermeidlichen SUVs. Was für eine ökologische Unlogik Schwachsinnsaktion es ist, mit dem Geländevehikel, das 30 Liter Super auf 100km verbraucht, Ökolebensmittel zu kaufen, fällt offensichtlich niemandem auf.
Nur mich überkommt ein Kopfschütteln, wenn ich vor dem Laden den Hund anleine und dann mit meinen zugesifften Trekkingklamotten zwischen Blüschen und feinem Zwirn wandle. An meinen Schuhen klebt durch den eben absolvierten Hundespaziergang trotz Säuberungsversuchen mehr Dreck als am kompletten Inhalt der Möhrenkiste.
Vor mir an der Kasse verschwinden Schlangengurken für 3 Euro das Stück, Himalayasalz zu 4 Euro das Pfund, ökologische Convenienceprodukte zu Mondpreisen und das Tiegelchen Gesichtscreme, das mehr kostet, als unser Haushalt pro Quartal für Kosmetik ausgibt, in schicken Bastkörbchen und noblen Ledertaschen.
Dann verstaue ich meine wenigen (der Platz im Rucksack ist knapp, meine Tragkraft auch auf Kurzstrecke begrenzt - der Tragwille sowieso), sorgsam nach ökonomischen Kriterien (die ökologische Auswahl übernahm ja schon der Ladenbesitzer) gewählten Lebensmittel. Anderthalb Kilo Äpfel, ein Pfund Salz, zwei Paprika, die günstigeren und besseren Landgurken und ein Baguette mit eingebackenen, leuchtendroten Paprikastücken wandern in meinen Rucksack.
Wenn ich an den geöffneten Kofferraumklappen vorbeigehe, um meinen Hund abzuleinen, fühle ich mich wie der Sieger durch ökologische Selektion.
Daß ich jeden Sonntag 60 Kilometer nur für das Hundetraining mit dem Auto durch die Gegend fahre, weiß von denen ja keiner.